Das ESPR-Label

Was die neue EU-Methodik für die Industrie bedeutet

Mit der Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) führt die EU ein neues Produktlabel ein, das über das bekannte Energielabel hinausgeht. Das JRC hat 2025 die Methodik für dieses Label veröffentlicht (JRC143463). Für Hersteller in der SHK-Branche wird es damit konkret: Produktkennzeichnung, Leistungsklassen und der Digitale Produktpass rücken zusammen.

7 Kernaussagen zum ESPR-Label

Die wichtigsten Erkenntnisse aus der JRC-Methodik und der ESPR-Verordnung – kompakt zusammengefasst.

1

Neben dem Energielabel kommt ein zweites, verpflichtendes EU-Produktlabel

Die ESPR sieht neben dem bekannten Energielabel ein neues Produktlabel vor, das Umwelt- und Kreislaufwirtschaftseigenschaften sichtbar macht. Dieses Label wird für Produktgruppen mit delegierten Rechtsakten verpflichtend und ergänzt den Digitalen Produktpass als verbraucherfreundliche Kennzeichnung.

JRC143463, Kap. 3.1ESPR Art. 14
2

Das ESPR-Label basiert auf Lebenszyklusanalysen (LCA)

Die Methodik des JRC sieht vor, dass Leistungsklassen auf Basis von Lebenszyklusanalysen nach PEF-Methode (Product Environmental Footprint) gebildet werden. Das bedeutet: Nicht einzelne Messwerte, sondern die Umweltwirkung über den gesamten Lebenszyklus bestimmt die Einstufung.

JRC143463, Kap. 4.2Commission Recommendation (EU) 2021/2279
3

Haltbarkeit und Reparierbarkeit werden in Leistungsklassen A–E eingestuft

Das Label-Design orientiert sich am bekannten Energielabel mit farbigen Leistungsklassen von A (beste) bis E (schlechteste). Neben Energieeffizienz können auch Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit als eigenständige Skalen auf dem Label erscheinen.

JRC143463, Kap. 5.3ESPR Art. 14, Abs. 2
4

Jedes Produkt mit Ecodesign-Anforderungen braucht einen Digitalen Produktpass

Die ESPR verknüpft das Label direkt mit dem DPP: Für jedes Produkt, das unter einen delegierten Rechtsakt fällt, wird ein Digitaler Produktpass verpflichtend. Der DPP enthält die Datengrundlage für die Label-Einstufung und macht sie maschinenlesbar zugänglich.

ESPR Art. 8–12ESPR Art. 14, Abs. 4
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Der DPP ist als dezentrales System konzipiert

Anders als bei einer zentralen EU-Datenbank setzt die ESPR auf ein dezentrales System: Hersteller hosten ihre DPP-Daten selbst oder über Dienstleister. Ein zentrales EU-Register verweist lediglich auf die dezentralen Datenquellen – das schafft Flexibilität und Skalierbarkeit.

ESPR Art. 12ESPR Erwägungsgrund 30
6

50%-Regel: Energielabel oder neues ESPR-Label

Die JRC-Methodik schlägt vor, dass bei Produkten mit Energielabel kein zusätzliches ESPR-Label erforderlich ist – sofern das Energielabel bereits mehr als 50% der relevanten Umweltaspekte abdeckt. Für alle anderen Produktgruppen gilt das neue ESPR-Label.

JRC143463, Kap. 6.1
7

Erste delegierte Rechtsakte ab 2026 mit 18 Monaten Übergangsfrist

Der ESPR Working Plan sieht die ersten delegierten Rechtsakte für 2026 vor. Nach Verabschiedung haben Hersteller in der Regel 18 Monate Zeit zur Umsetzung. Das bedeutet: Die ersten verpflichtenden ESPR-Labels und DPPs werden voraussichtlich ab 2027/2028 auf Produkten erscheinen.

ESPR Working Plan 2025–2030ESPR Art. 18

Quellen & Dokumente

JRC143463 (2025)

Development of the methodology for the Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) product label

ESPR-Verordnung (EU) 2024/1781

Verordnung zur Schaffung eines Rahmens für die Festlegung von Ökodesign-Anforderungen für nachhaltige Produkte

ESPR Working Plan 2025–2030

Ecodesign and Energy Labelling Working Plan 2025–2030

Commission Recommendation (EU) 2021/2279

Empfehlung zur Anwendung der Methoden des Umweltfußabdrucks (PEF/OEF)

Einordnung für die SHK-Branche

Für Hersteller von Heizungs-, Klima- und Sanitärprodukten wird das ESPR-Label besonders relevant: Viele SHK-Produkte fallen bereits unter das Energielabel – und werden künftig zusätzlich oder alternativ ein ESPR-Label tragen müssen. Die 50%-Regel entscheidet dabei, welches Label gilt.

Entscheidend ist die Datenbasis: Wer heute bereits strukturierte Produktdaten pflegt – von Umweltdeklarationen über LCA-Daten bis hin zu Reparaturinformationen – hat einen klaren Vorteil bei der Umsetzung. Der Digitale Produktpass wird zum zentralen Datenspeicher für alle Label-relevanten Informationen.

Die Übergangsfrist von 18 Monaten nach Verabschiedung der delegierten Rechtsakte klingt lang – erfahrungsgemäß erfordert die Aufbereitung von LCA-Daten, die Integration in bestehende PIM-Systeme und die Anbindung an DPP-Infrastrukturen jedoch erhebliche Vorlaufzeit. Frühzeitige Vorbereitung zahlt sich aus.

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